Predigten von P. Martin Löwenstein SJ

Predigt zum 7. Sonntag der Osterzeit Lesejahr B 2024 (Apostelgeschichte)

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12. Mai 2024 - St. Fronleichnam, Reinheim

1.

  • "Heilige sie in der Wahrheit; dein Wort ist Wahrheit." Darum bittet Jesus nach dem Johannesevangelium. Und die Lesung aus dem Johannesbrief, der zur selben Tradition gehört, erinnert daran, was es bedeutet, in Gottes Wahrheit zu bleiben: "Gott ist Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott und Gott bleibt in ihm."
  • Alles klingt also danach, als komme es nur auf die Liebe an. Wer liebt, wer sich an die Gebote hält, der ist ein guter Christ. Alles andere erscheint da wie schmückendes Beiwerk, das entbehrlich sei, wenn es nicht mehr schmückt.

2.

  • Und doch war es der ersten Kirche wichtig, dass es zwölf Apostel sind. Als gäbe es nichts Wichtigeres. Als mache es einen Riesenunterschied, ob es elf oder zwölf sind.
  • Offensichtlich macht es für Christen einen Unterschied. Auch für Jesus war es zentral für das, was er seine Sendung nannte (Mit 15,24) und wozu er die Apostel gesandt hatte (Mit 12,6). Jesus hatte die Zwölf nicht danach ausgewählt, dass sie makellos und vorbildlich seien, sondern zusammen sollen sie Zwölf sein.
  • Denn Zwölf ist die heilige Zahl der Stämme Israels. Zwölf steht damit für die "Institution", die Struktur und Verfassung, in der Gott in der Welt bekannt werden will. Nur wenn wir als Kirche "zwölf" sind, sind wir die Kirche Jesu Christi. Christ sein geht nur gemeinsam. Nur wo wir versammelt sind, ist Pfingsten möglich.

3.

  • Jesus hat die Nächstenliebe gepredigt und gelebt, sogar die Feindesliebe. Doch die Grundlage war das Gebot: "Liebt einander!". Ohne die Liebe zu denen, die mit mir Christ sind, die ich Schwester und Bruder nennen soll, gibt es keine Kirche und kein Zeugnis für Jesus Christus.
  • Die Zwölf steht dabei für alle. Wie auch die letzten Winkel in Israel zu Gottes Volk gehören, zu denen Jesus sich gesandt wusste, so gehören durch die Taufe alle Christen zusammen. So groß können die Unterschiede nicht sein, dass die gemeinsame Sendung nicht größer wäre.
  • Ja, die Nächstenliebe und die Liebe der Christen untereinander gehören zusammen. Keiner von uns kann alleine die Liebe leben, die Christus verheißt. Nur in der Liebe zu dieser Gemeinschaft hier, nur in der Liebe zur Kirche hat die Liebe Christi einen Ort.