Predigt zu Ostern Lesejahr C - In der Nacht 2022
16. April 2022 - St. Peter, Sinzig-Westum
Predigt
1. Zum Lachen
- Ostern ist zum Lachen. Zumindest sollte es das sein. Denn Lachen ist die typische Reaktion von Menschen, wenn auf einmal in einer wohlgeordneten Welt etwas einbricht, das da gar nicht erwartbar war. Oft folgt auf das Lachen ein entspanntes Lächeln. Aber das Lachen ist die spontane Reaktion, wenn auf einmal, ganz unerwartet etwas in die ruhigen Bahnen unseres Lebens einbricht.
- Heißt das Ostern ist ein Witz? In gewisser Weise vielleicht, denn mit dieser Pointe hatte niemand gerechnet. Doch Ostern ist kein Wirt, sondern ganz ernst gemeint: Mitten hinein in unsere so oft vom Tod gezeichnete Welt bringt Gott sein Leben. Ganz überraschend, ganz unerwartet.
- Dass wir Menschen sowohl lachen wie weinen können, erklärt sich daraus, dass wir nicht schon festgelegt sind auf ein Programm und eine Identität. Computer können nicht lachen. Tiere können Freude bereiten, aber Lachen tun sie nur in Comic-Filmen. Weinen und Lachen sind Fähigkeiten der Menschen, mit denen wir es zu bewältigen suchen, wenn unerwartet etwas in unser Leben einbringt und zeigt: Die Ordnung, in der wir uns eingerichtet wähnten, ist zerbrechlich. Oft genug liegen deswegen Weinen und Lachen nahe beieinander oder gehen ineinander über. Lachen kann die Reaktion sein, mir etwas auf Distanz zu halten; Weinen lässt es an mich heran, berührt und erschüttert mich.
2. Pragmatismus und Ängstlichkeit
- Die Frauen, die frühmorgens zum Grab kommen, sind pragmatisch. Die Männer sind schon am Vortag in der Versenkung verschwunden und haben sich in den Häusern versteckt. Von den Frauen heißt es, dass sie bis zum Ende unter dem Kreuz ausgehalten haben. Sie waren es, die über den schändlichen Tod Jesu geweint haben. (Petrus hat nur über sein eigenes Versagen geweint.)
- Der Pragmatismus der Frauen ist bewundernswert, denn es ist ein Akt der Liebe und Zuneigung zu dem Verstorbenen, dass sie am Morgen nach dem Sabbat kommen und nachholen wollen, was nach dem Tod und am drauf folgenden Ruhetag nicht möglich war: Den Leichnam salben, damit er wenigsten ein ordentliches Begräbnis bekommt.
- Natürlich steht in der Bibel nicht, dass die Frauen gelacht hätten. Als die Engel sie ansprechen heißt es vielmehr: "Die Frauen erschraken". Aber es ist genau dieses Erschrecken, das dem Lachen so nahe ist. Denn die Botschaft der Engel bringt die Welt sowohl der pragmatischen Frauen wie der ängstlichen Männer durcheinander. "Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern er ist auferstanden."
3. Erster Tag der neuen Schöpfung
- Wir lesen dieses Evangelium bewusst auch heute. Angesichts von Pandemie, Krieg, drohenden wirtschaftlichen Folgen nicht nur für die Armen der Welt, sondern vielleicht sogar für uns in Deutschland sprechen wir davon, dass Gott unsere Welt durcheinanderbringt. Gott hält sich nicht an die Ordnung, wonach der Tod der Tod ist, sondern wird, wie aus dem Chaos der Urflut in aller Dinge Anfang, das Leben neu schaffen. "Gott sprach: Es werde Licht." Ostern ist in der Form des Gottesdienstes der Erste Tag der neuen Schöpfung. Ostern ist in dem Licht der Auferstehung Jesu der bleibende Widerspruch zum Pragmatismus der Menschen.
- Ich bin dankbar für den Pragmatismus der Frauen. Ich bin dankbar, wo immer Regierende, zumal die mächtigen Männer, nicht in aufgeregte Rhetorik verfallen, sondern nüchtern suchen, was getan werden kann. Aber ich hoffe, dass wir in allem Pragmatismus das Gespür dafür nicht verlieren, dass Gott in diese Welt hinein zum Leben aufersteht. Allein damit zu rechnen verändert alles.
- "Freu dich, brich in Jubel aus und jauchze!" hörten wir aus der ersten Jesaja-Lesung dieser Nacht. Und im Psalm 126 heißt es – wie eine Ankündigung der Osterbotschaft: "Als der HERR das Geschick Zions wendete, da waren wir wie Träumende. Da füllte sich unser Mund mit Lachen und unsere Zunge mit Jubel. Da sagte man unter den Völkern: Groß hat der HERR an ihnen gehandelt! Ja, groß hat der HERR an uns gehandelt. Da waren wir voll Freude." Der Herr ist Auferstanden, Amen Halleluja!
Fürbitten
P: Nach der Nacht des Karfreitags bricht der Morgen der neuen Schöpfung an. Gottes Leben bricht ein in unsere Welt:
V: Ostern ist der Höhepunkt unseres Jahres als Kirche. Zeige uns neu dein Licht, dass dieses Fest nicht zur Gewohnheit wird, sondern uns zu einem Leben im Vertrauen auf deine Macht und im Glauben an deine Güte führt.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Viele Menschen leiden unter dem Eindruck, dass es keinen Unterschied macht, was sie tun und was sie lassen. Hilf uns in der Kirche und in unserem Land an einer Gemeinschaft zu bauen, die die Einzelnen wertschätzt und dem, was jede und jeder zu tun vermag, einen Raum gibt.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Die Mentalitäten und Strukturen der veralteten Kirche, Klerikalismus und manch entleerte Tradition liegen oft bleischwer auf den Bemühungen um Aufbruch in den Bistümern und Gemeinden. Gib denen, die schon längst alt gewordenen sind, den Mut zurückzutreten, und vielen Frauen und Männern die Bereitschaft, sich für deine Kirche und das Evangelium einzusetzen.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: In Jerusalem stoßen die auch an diesem Osterfest die Unzufriedenheit vieler junger Menschen und der Versuch Gewalt einzudämmen aufeinander. Lass die Religionsgemeinschaften nicht müde werden, daran zu glauben, dass du, der Allmächtige, den Frieden liebst und den Frieden zu schaffen vermagst.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
V: Bereits über 50 Tage hat der schon so viele Jahre schwelende Krieg in der Ukraine im Einmarsch russischer Truppen zu unvorstellbarem Leid geführt. Viel zu viele Jahre schon ist auch in Syrien, dem Jemen, in Somalia oder Mali grausamer Krieg, an den wir uns gewöhnt zu haben scheinen. Brich mit deinem Wort ein in unsere Welt und lass uns nicht müde werden, Wege des Friedens zu suchen.
A: Wir bitten dich, erhöre uns.
P: Gott, du bist Licht in der Finsternis und erschaffst alles Leben. Du bist unsere Freude alle Tage unseres Lebens und in Ewigkeit.
A: Amen.