Predigt zum 4. Sonntag im Lesejahr B 2009 (1. Korintherbrief)

  • Ort: Hochschulgottesdienst, St. Antonius Frankfurt
  • Datum: 1. Februar 2009
  • Bibelstelle: 1 Kor - 07,32-35

1. Die Heiligkeit der Ehe

Eine briefliche Anfrage: Lieber Paulus, Bruder in Christus, dessen Gnade mit dir sei! Wie gerne würden wir dich hier bei uns in Korinth sehen, denn viele Fragen werden bei uns heiß diskutiert und Du könntest uns Klarheit geben. Du weißt, dass die Gemeinde in unserer Hafenstadt besonders bunt zusammengewürfelt ist. So mancher vor allem der Brüder, hat ein wildes Leben geführt, bevor er ein neues Leben in Christus begonnen hat; sie sind nach Korinth aus aller Welt gekommen, um hier Geld und Glück zu machen. Dann aber hat der Heilige Geist ihr Leben von Grund auf verändert - und jetzt bringen sie mit ihrer Glaubensbegeisterung unsere Gemeinde durcheinander. Denn obwohl sie verheiratet sind, fühlen sie sich im Heiligen Geist zur Ehelosigkeit hingezogen. Die Liebe zu Christus erfüllt sie so sehr, dass sie ganz darin aufgehen und auf eine sexuelle Beziehung zu ihren Frauen verzichten wollen. In der Gemeinde aber entsteht der Eindruck, dass damit die Ehe insgesamt abgewertet wird, zumal diese Christen sich auf dich berufen, weil ja auch du zölibatär lebst. Sie sagen "Es ist gut für den Mann, keine Frau zu berühren." Was rätst du uns?

2. Ehelosigkeit von Verlobten

Eine briefliche Anfrage: Nun aber, lieber Paulus, gibt es einige in der Gemeinde, die zwar verlobt sind, aber jetzt doch ehelos leben wollen. Das bringt reichlich Not und Schererei, denn nach geltendem Recht ist doch die Verlobung ein Eheversprechen, und die Familie der Braut bringt den Verlobten sehr in Bedrängnis. Was sollen wir ihnen sagen?

3. Die Berufung zur Ehelosigkeit

Eine briefliche Anfrage: All diese Vorfälle, lieber Paulus, haben in unserer Gemeinde heftige Diskussionen ausgelöst. Letztlich ist uns klar geworden, dass wir noch nicht verstanden hat, was Jesus meinte, wenn er sagt, dass es Menschen gibt, die sich selbst unfähig gemacht haben zur Ehe "um des Himmelreiches willen". Hat Jesus nicht hinzugefügt: "Wer das erfassen kann, der erfasse es!" (Mt 19,12) Wir sind wohl nicht die ersten, die hier Schwierigkeiten haben!


Anmerkung:
Die Predigt verdankt wesentliche Anstöße dem Buch des Neutestamentlers Norbert Baumert: "Frau und Mann bei Paulus. Überwindung eines Mißverständnisses" Würzburg: Echter, 1992.
Baumert fordert eine komplett neue Sicht der Texte und legt mit beeindruckenden Argumenten dar, wie die meisten Übersetzungen einer bestimmten Sicht folgen, die keineswegs zwingend ist und mehr Fragen aufwirft, als sie beantwortet. Die Mehrzahl der Kollegen folgt Baumert allerdings bislang in dieser Radikalität nicht. Daher habe ich mich entschieden, in der Predigt weitestgehend der Einheitsübersetzung zu folgen und zu versuchen, angeregt durch Baumert, die Blickrichtung zu wecheln.